Pseudocode und Struktogramme

Was du heute lernst:

  • Die Funktion und Vorteile von Pseudocode für die Algorithmenentwicklung verstehen.
  • Einen einfachen Algorithmus in Pseudocode darstellen können.
  • Die Bedeutung von Struktogrammen als weitere Methode zur Visualisierung von Algorithmen erkennen.

Einleitung: Die Sprache der Algorithmen ohne Computer

Bevor wir einen komplexen Algorithmus in einer Programmiersprache umsetzen, ist es oft hilfreich, ihn zunächst in einer verständlicheren Form zu skizzieren. Hier kommt der Pseudocode ins Spiel: eine Art "falscher" Code, der zwar wie ein Programm aussieht, aber in natürlicher Sprache geschrieben ist und auf technische Details einer bestimmten Programmiersprache verzichtet. Er hilft uns, die Logik eines Problems zu durchdenken, bevor wir uns um die genaue Syntax kümmern müssen.

Merksatz: Pseudocode beschreibt Algorithmen in natürlicher Sprache, während Struktogramme sie grafisch mit Kontrollflussblöcken visualisieren, beides dient der klaren Planung vor der Codierung.

Grundlagen des Pseudocodes

  • Definition: Eine informelle, menschenlesbare Beschreibung eines Algorithmus, die die Logik und Struktur eines Programms in einfacher Sprache darstellt, ohne sich an die Syntax einer bestimmten Programmiersprache zu halten.
  • Ziele:
    • Erleichterung des Verständnisses und der Kommunikation von Algorithmen.
    • Dient als Entwurfshilfe vor der eigentlichen Programmierung.
  • Beispiel:
    BEGIN
                SET sum = 0
                FOR each number in list DO
                    sum = sum + number
                END FOR
                PRINT sum
            END

Struktogramme (Nassi-Shneiderman-Diagramme)

Struktogramme sind eine grafische Methode zur Darstellung von Algorithmen, die sich auf die Darstellung von Kontrollstrukturen (Sequenz, Auswahl, Wiederholung) in Form von speziell gestalteten Blöcken konzentriert. Sie sind besonders gut geeignet, um die hierarchische Struktur von Programmen zu visualisieren und sind unabhängig von einer spezifischen Programmiersprache.

  • Sequenz: Ein einfacher Block, der nacheinander ausgeführt wird.
  • Auswahl (If-Then-Else): Ein Block mit einer Bedingung, die zu zwei Pfaden führt.
  • Wiederholung (Schleifen): Blöcke, die eine Bedingung erfüllen, solange sie wiederholt werden.

Übungsaufgabe: Der digitale Einkaufszettel als Pseudocode

Aufgabenstellung:
Du möchtest einen Algorithmus erstellen, der dir hilft, eine Einkaufsliste abzuarbeiten. Schreibe einen Pseudocode, der folgende Schritte berücksichtigt:

  1. Start des Einkaufsvorgangs.
  2. Initialisieren einer leeren Einkaufsliste.
  3. Frage den Benutzer, ob er weitere Artikel hinzufügen möchte.
  4. Wenn ja, füge den Artikel zur Liste hinzu und wiederhole Schritt 3.
  5. Wenn nein, gehe alle Artikel auf der Liste durch und markiere sie als "gefunden", wenn du sie im Laden findest.
  6. Ende des Einkaufsvorgangs.

Hinweise zur Lösung:

  • Verwende Schlüsselwörter wie BEGIN, END, SET, FOR, IF, ELSE, PRINT, INPUT.
  • Beschreibe die Aktionen klar und prägnant.
  • Achte auf eine logische Abfolge der Schritte.

Schwierigkeitsgrad: mittel

Erwartete Bearbeitungszeit: 20 Minuten


Check deinen Fortschritt:

  • Ich kann einen Algorithmus Schritt für Schritt logisch strukturieren.
  • Ich nutze Pseudocode-Elemente wie Variablen, Bedingungen und Schleifen präzise und verständlich.
  • Ich übersetze meine Gedankengänge in eine klare, nachvollziehbare algorithmische Darstellung.
  • Ich kann die Grundprinzipien eines Algorithmus ohne spezifische Programmiersprache ausdrücken.
  • Ich erkläre meine Lösungslogik so, dass auch Andere meinen Algorithmus verstehen können.

Nächster Schritt

Nachdem wir die Logik von Algorithmen in Textform beschrieben haben, lernen wir nun, wie wir Anforderungen aus Anwendersicht grafisch festhalten.

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